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Zur Tätigkeit der lösungsorientierten Sachverständigen im Familienrecht Heike Pethke

„Papa wohnt jetzt in der Heinrichstraße“ und „Wir bleiben Eure Eltern!“ das sind zwei Titel, die in der Kinderliteratur Einzug gehalten haben. Nicht umsonst. Trennen sich doch jährlich ca. 21.000 Paare. 17.000 Kinder sind von der Trennung oder der Scheidung ihrer Eltern betroffen.

 

Trennung und Scheidung bestimmen schon seit Langem den Lebensalltag von Kindern. Sind sie nicht selbst betroffen, so sind es ihre Freunde und Freundinnen oder die Nachbarskinder. In der damaligen Grundschulklasse meiner Tochter lebten von 23 Kindern noch fünf mit ihren beiden Eltern in einem Haus-halt. In der weiterführenden Schule war es von dreißig Kindern bzw. Jugendlichen noch eines. Das ist möglicherweise ein besonders deutliches, obendrein der Großstadt geschuldetes, Beispiel.

 

Das Thema „Meine Eltern wollen nicht mehr miteinander leben“ ist und bleibt für die Kinder ein tiefer Einschnitt in ihrer Biografie. Gelingt den Eltern die Trennung im Sinne ihrer Söhne und Töchter gut, dann gehen die Kinder zwar mit einem Verlust aus diesem Lebensabschnitt heraus, aber auch mit der grundlegenden Erfahrung „meine Eltern bleiben meine Eltern und auch Krisen können sie gemeinsam meistern“.

 

Bewältigen die Eltern die Krise der Trennung nicht gemeinsam, kommen Experten, wie Mediatoren, Paarberater, Mitarbeiter des Jugendamtes, Sachverständige, dazu. Diese sind bemüht, die Krise und ihre Auswirkungen auf die beteiligten Personen verträglicher zu gestalten und die Eltern im Interesse ihrer Kinder dazu zu befähigen, deren Angelegenheiten gemeinsam zu regeln sowie verantwortungsvoll für ihre Kinder zu denken, zu handeln und die richtigen Entscheidungen zu treffen.

 

Ist das nicht möglich, gehen viele den Weg zum Familiengericht, um hier endlich die ersehnte „richtige Lösung“, die sie allein nicht finden konnten, von einem Entscheidungsträger zu erhalten. Häufig sehen die Richter und Richterinnen Elternpaare, die völlig verzweifelt sind und doch nur „Recht“ bekommen wollen - „Recht“ bekommen und endlich aus der Verantwortung enthoben zu werden, selbst gemeinsam mit dem ehemaligen Partner, der Partnerin nach Lösungen für ihre Nachtrennungsfamilie zu suchen.

 

Der meinem gutachterlichen Verständnis zugrunde liegenden lösungsorientierte Ansatz basiert auf einem systemischen Familienverständnis, wonach die Familie sich durch Trennung und Scheidung nicht auflöst, sondern in veränderter Form als so genannte Nachtrennungsfamilie weitergeführt wird. Der einzelne Mensch ist nicht ohne seinen Beziehungszusammenhang verstehbar.

 

Ziel meiner lösungsorientierten Arbeit ist es, die Eltern wieder zu befähigen, miteinander ins Gespräch über ihre ureigensten Bedürfnisse im Rahmen von Nachtrennungsfamilie zu kommen. Dazu erhalten sie Informationen über die nachhaltigen Auswirkungen von langanhaltenden Konflikten und werden im Hinblick auf die Folgen, die ihre Kinder davontragen können, sensibilisiert. Das Ziel einer konsensualen Lösung besteht also vor allem darin, dem betroffenen Kind eine Lebenswelt zu schaffen, in der es sich gesund entwickeln kann und vor seelischer Belastung geschützt wird, indem es von dem fortwährenden Konflikterleben entlastet ist. Dazu wird ein gemeinsames Elterngespräch verabredet. Hier können die Eltern die Zeit nutzen, um über die zum Antrag beim Familiengericht führenden Probleme zu beraten und darüber hinaus die Themen, die aktuell eine Übereinkunft behindern - zumeist sind das Angelegenheiten und Verletzungen, die aus der Paargeschichte herrühren - zu erörtern und einen Ausgleich zu erarbeiten. Dadurch wird den Eltern ein gemeinsames Handeln wieder möglich und sie werden befähigt, zum Wohle ihrer Kinder und für sich selbst Lösungen auszuhandeln und Entscheidungen zu treffen.

 

Krisen und Defizite in Familiensystemen werden häufig vom Jugendamt thematisiert. Waren Maßnahmen der Jugendhilfe nicht ausreichend wirksam, um den Defiziten im Familiensystem entgegenzuwirken, wird ein Verfahren nach § 1666 BGB beim Familiengericht veranlasst. Sinnvoll erscheint es in dieser Konstellation, den Fokus auf das kindliche Zeiterleben und die kindliche Wahrnehmung zu lenken, da Beziehungserhalt und Deeskalation des zwischen den Beteiligten bestehenden Konfliktes zu den wichtigsten Punkten gehören, um am Kindeswohl orientierte und entwicklungsförderliche Rahmenbedingungen zu gestalten.

 

In diesem Kontext verfolgt die lösungsorientierte Begutachtung vorrangig das Ziel, alle am Verfahren Beteiligten so weit zu befrieden, dass einvernehmliche Lösungen in Fragen des Kindeswohls, des Le-bensmittelpunktes, des Sorgerechts oder des Umgangs möglich und die Auseinandersetzungen um die Kinder und mit dem Familiensystem beigelegt werden können. Dieses soll u.a. dadurch erreicht werden, indem die Elternverantwortung gestärkt und der Blick der Eltern und der anderen Beteiligten auf die Folgen der Auseinandersetzungen bzw. der nicht Kindeswohl förderlichen Umstände gerichtet wird.

 

Das Ziel einer konsensualen Lösung besteht also auch hier vor allem darin, dem betroffenen Kind eine Lebenswelt zu schaffen, in der es sich gesund entwickeln kann und vor seelischer Belastung geschützt wird, indem es von dem fortwährenden Konflikterleben entlastet ist. Dazu wird ein Runder Tisch mit allen Beteiligten verabredet. Hier erhalten alle Beteiligten, Eltern wie Professionelle, die Gelegenheit, um unter meiner Begleitung über die zum Antrag beim Familiengericht führenden Probleme zu beraten und darüber hinaus die Themen, die aktuell eine Übereinkunft behindern, zu erörtern und einen Ausgleich zu erarbeiten. Bei Fragestellungen nach §1666 BGB geht es häufig um Fragen der angemessenen Unterstützungsmöglichkeiten für die Eltern und um deren Bereitschaft, diese anzunehmen.

 

Bei allen Fragestellungen wird auf eine einvernehmliche Vereinbarung zwischen den Beteiligten hingewirkt. Meine Explorationsergebnisse werden von mir für alle Beteiligten transparent dargestellt und die sich daraus ableitenden Lösungsmöglichkeiten erörtert. Die Vereinbarung der Beteiligten wird von mir an das Familiengericht mit der Würdigung des Prozesses und der Ergebnisse übermittelt. Gelingt eine Vereinbarung zwischen den Beteiligten nicht, dann wird von mir zeitnah ein Gutachten mit einer Entscheidungsempfehlung erstellt.